Jugendgottesdienst in der Autobahnkirche

Die Jugend des Bezirkes Dessau traf sich am ersten Wochenende im November zu einer Jugendfreizeit. Höhepunkt war der Gottesdienst für Entschlafene in der Autobahnkirche Brumby.

Am Samstag, 6. November stand zunächst eine Besichtigung der ehemaligen Haftanstalt „Roter Ochse“ auf dem Programm. Die Haftanstalt wurde 1842 in Betrieb genommen und diente zuletzt dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR als Untersuchungshaftanstalt.

Die Jugend verfolgte einen interessanten und bewegenden Vortrag über die Schicksale der dort ehemals Inhaftierten. Im Anschluss an den Vortrag konnte das Gefängnis besichtigt werden. Dabei war zu erahnen, unter welchen Umständen und mit welchen Qualen die Gefangenen dort leben mussten. Die zum Tode Verurteilten waren in sogenannten Todeszellen untergebracht. In diesen ehemaligen Todeszellen hängen heute die Fotos der letzten Insassen, die Ende des 2. Weltkrieges einen Tag vor dem angesetzten Hinrichtungstermin durch amerikanische Truppen befreit worden sind.

Besonders ergreifend war der Moment, als die Jugend den ehemaligen Hinrichtungsort betrat. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurden dort 549 Menschen umgebracht. Noch heute ist das Fundament des Fallbeils zu sehen. Ein Buch mit den 549 Namen erinnert an die Toten.

Nach einem gemeinsamen Abendessen in der Jugendherberge war zu schon fortgeschrittener Stunde Gelegenheit, den Film „Hotel Ruanda“ anzuschauen. Der auf einer wahren Begebenheit beruhende Film thematisiert den Völkermord in Ruanda und zeigt auf schockierende Weise, welche Folgen Hass haben kann.

Am Sonntag machte sich die Jugend nach einem gemeinsamen Morgengebet auf den Weg zur Autobahnkirche Brumby, um dort den Gottesdienst für Entschlafene zu erleben.

Schon vor dem Gottesdienst entstand durch verschiedene musikalische Vorträge eine bewegende Atmosphäre. Der Bezirksälteste Lutz predigte mit 1. Korinther 9, 19: „Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne.“

Der Gottesdienst wurde durch den Jugendchor und ein Orchester mitgestaltet. Als besonderer Höhepunkt erklang das Lied „Von guten Mächten treu und still umgeben“. Der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Dietrich Bonhoeffer, schrieb dieses Lied in Erwartung seiner bevorstehenden Hinrichtung. In Kenntnis seiner Entstehungsgeschichte war dieses Lied eine weitere gedankliche Brücke zu Menschen, die ihr Leben gewaltsam verloren.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde noch ein Imbiss gereicht, damit alle gestärkt den Heimweg antreten konnten. All denen, die dieses bewegende und unvergessliche Wochenende ermöglicht und organisiert haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Text: F.-S.B./Fotos: D.S.